Pfarrei Maria von den Aposteln - Mönchengladbach-Neuwerk
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Bilderfries

Veranstaltungsliste

29.05.2016, 18:00

„Im grünen Wald ich neulich saß“ - geistl. u. weltliche Frühlingsmusik

Es singt das Ensemble Trutz Nachtigall Mehr

03.06.2016, 18:30

Feier zum Patrozinium

Herz Jesu Bettrath Mehr

06.06.2016, 19:30 - 21:00

Bibelgespräch

im Kloster Neuwerk Mehr

10.06.2016, 17:00 - 11.06.2016, 13:00

Tag der Katechese

in der Pfarrei Maria von den Aposteln Mehr

20.06.2016, 19:00 - 21:00

Filmabend am Weltflüchtlingstag

„Der Marsch“ Mehr

21.06.2016, 19:30 - 21:00

Aus den Wurzeln wächst die Kraft

Elterngruppe im Kloster Neuwerk Mehr

01.07.2016, 16:00 - 19:00

Anmeldung zum Kommunionkurs 2017

02.07.2016, 08:30

Auf den Spuren des hl. Norbert von Xanten

Tagestour nach Xanten Mehr

04.07.2016, 09:00 - 11:00

Anmeldung zum Kommunionkurs 2017

04.07.2016, 17:00 - 19:00

Anmeldung zum Kommunionkurs 2017

04.07.2016, 17:00 - 18:00

Ameldung zum Firmkurs 2016

04.07.2016, 19:30 - 21:00

Bibelgespräch

im Kloster Neuwerk Mehr

06.07.2016, 17:00 - 19:00

Ameldung zum Firmkurs 2016

11.07.2016, 09:00 - 15.07.2016, 15:30

Kinderferienspiele 11.-15.7.2016 - Anmeldeschluss 23.5.2016

„Gott lädt uns alle ein! Eine Woche voller Feste.“ Mehr

16.08.2016, 19:30 - 21:00

Aus den Wurzeln wächst die Kraft

Elterngruppe im Kloster Neuwerk Mehr

 
 
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Erfahrungen mit den Flüchtlingen an der Krahnendonkhalle

Erfahrungen mit den Flüchtlingen an der Krahnendonkhalle

Am 06.09. war es soweit. Abends der Anruf: Morgen kommen 200 Flüchtlinge nach Neuwerk. In der Krahnendonkhalle sollen sie in einer Notunterkunft unterkommen, dann in einer Zeltstadt daneben. Flüchtlinge – das sind Menschen, die gerade erst angekommen sind, noch nicht registriert wurden und nur für eine kurze Zeit unterkommen, bis sie an verschiedene Städte auf Erstaufnahmeeinrichtungen und dann von dort endgültig zugewiesen werden. Vieles mussten wir erst noch lernen: die Unterschiede im Rechtsstatus, die behördlichen Zwänge, die Grenzen des Ehrenamtes, das Zusammenspiel von Stadt und Land, Bürokratie und Willkommenskultur. Aber ich möchte der Reihe nach erzählen:

Das Deutsche Rote Kreuz, die Feuerwehr und der Arbeiter Samariter Bund waren sofort da, um alles vorzubereiten: Betten aufstellen, Decken bereitstellen. Von unseren Ehrenamtlichen wurden Willkommensbeutel mit Seife, Handtuch, Duschgel, Zahnpasta und Zahnbürste gepackt. Das Kloster hatte für alle Schokolade und Obst bereitgestellt.

Einen Tag später als erwartet kamen die ersten Menschen an, bis zum Wochenende darauf waren alle Plätze belegt. Eine Woche voller Improvisation und Engagement. Auch für die Stadt war eine solche Situation neu. Jeden Tag galt etwas Anderes, bis sich nach und nach dann alles einspielte. Flüchtlinge waren in diesen Tagen in den Medien überall präsent, die ersten Tage noch nicht so stark von Vorbehalten und Problemanzeigen bestimmt, sondern von der angeblich neuen „Willkommenskultur“ in Deutschland geprägt. Und das kann ich bestätigen: ca. 400 Anrufe und E-Mails habe ich in den ersten zwei Wochen erhalten, alle waren voller Hilfsbereitschaft und Fürsorge. Und die Spendenbereitschaft von Privatleuten, von Firmen und Geschäften bis zu Großspenden an Kleidung und Hygieneartikeln war riesig.

 

Über den ökumenischen Arbeitskreis Flüchtlingsarbeit, Neuwerk, der sich im Januar als Zusammenschluss der Friedenskirchengemeinde, der kath. Pfarrei Maria von den Aposteln und der Klostergemeinschaft der Salvatorianerinnen gebildet hat, waren wir gut vorbereitet und konnten sofort geordnet und mit ausreichend Leuten vor Ort im Einsatz sein – mit einem Team für die Kinderbetreuung, mit dem Team Kleiderkammer, mit ehrenamtlichen Krankenschwestern, die sich um die Gesundheit der Angekommenen und um die Hygiene kümmerten, mit Menschen, die das Rote Kreuz und die Hausmeister unterstützten, mit Leuten, die bei der Koordination halfen: Kinderbetten aufbauen, Wäsche waschen, Müll wegräumen, an vielen Stellen helfen, mitplanen, was dran ist, Aktionen organisieren und und und…..

Die Freude und die Einsatzbereitschaft der Ehrenamtlichen war und ist phänomenal, durch Hinhören, Respekt für die Aufgaben und Zwänge des anderen und durch viele Gespräche. Viele Bewohner haben sich beim Abschied für eine schöne Zeit und für die Menschen bedankt, die für sie da waren.

Apropos Bewohner. Mir ist bewusst, dass in der Bevölkerung auch enorme Vorbehalte und Ängste sind. Sie können nicht kleingeredet werden. So eine Unterkunft mitten im Dorf ist eine enorme Belastung, für Anwohner, Vereine, Bürger. Jedoch können wir auch sagen: Aufs Gesamte gesehen haben wir viele gute Erfahrungen machen können: Viele Familien mit Kindern, höfliche und dankbare Menschen, sehr hilfsbereite und arbeitsfreudige Menschen. Manches musste sich mit jeder neuen Belegungsrunde einspielen, bis es funktionierte. Auch das Krankenhaus Neuwerk war immer da, wenn es gebraucht wurde. Höhepunkte waren verschiedene Veranstaltungen, die für die Bewohner der Unterkunft eine willkommene Abwechslung waren: ein Ausflug zum Odenkirchener Tierpark, zum Weltkindertag am 20.9. oder ein Grillfest zum islamischen Opfertag am 24.9. mit Unterstützung einer Moscheegemeinde. Für die Kinder gab es Süßigkeiten. Kinder und Jugendliche haben auf dem Sportplatz mit Einheimischen Fußball gespielt, die Kinderangebote im Haus stießen auf großen Zuspruch. Und selbst die Kirmes mit Fackelzug und Zapfenstreich war eine gelungene Abwechslung, die problemlos und oft auch begeistert aufgenommen wurde. Zwei syrische Familien haben mich um eine Kirchenführung in der Klosterkirche gebeten und Pfarrer Biste hat uns durch die Pfarrkirche geführt, Erinnerungsfoto ums Taufbecken inklusive. Verständnis und Toleranz kann gelingen. Bei vielen Menschen, die ich in den vergangenen Wochen kennengelernt habe, sehe ich da keine Schwierigkeit.

Manches Lehrgeld haben alle auch am Anfang zahlen müssen. Wie es funktionieren kann, Flüchtlingsunterkunft und Vereinssport halbwegs zu koordinieren, musste mühsam erprobt werden. Wie eine gerechte und zielführende Kleiderausgabe funktioniert, haben wir in verschiedenen Anläufen erprobt. Es muss gerecht verteilt werden, keine einfache Aufgabe. Was nicht hilfreich war, waren gewiss gutgemeinte Spenden, die auf der Straße vor der Unterkunft verteilt oder über den Zaun in die Unterkunft gereicht wurden. Das Ergebnis aber ist fast immer, dass Kleidung und Spielzeug im Müll landen, dass es zu Streit kommt, dass der eine sich freut, der nächste weint, weil er nichts bekommen hat. Und dass es oft viel zu viel ist und zurückgelassen werden muss, wenn es wenige Tage später weitergeht.

Guter Wille im Ehrenamt und bürokratische und rechtliche Anforderungen müssen auch immer wieder neu austariert werden: Was darf ein ehrenamtlicher Arzt? Was darf eine ehrenamtliche Krankenschwester? Wer darf Zutritt zum Zeltlager bekommen? Was ist erlaubt, was verboten? Der Zugang zu einer Notunterkunft ist aus Sicherheitsgründen streng geregelt – was im Angesicht der vielen Übergriffe auf Heime in diesem Jahr richtig und notwendig ist – nur wenige bekannte Personen durften hinein und es ist wichtig, dass die Aufgaben für jeden klar sind, damit es funktionieren kann. Viele Dinge, die man in einer endgültigen Unterkunft machen kann, gehen nicht oder nur kaum, wenn die Bewohner nach kurzer Zeit schon wieder in andere Städte weiterreisen müssen: Deutschkurse, Patenschaften, Beziehungen.

2016 wird neue Herausforderungen bringen, diesmal in einer sehr angespannten gesellschaftlichen Situation und Diskussionslage. In Mönchengladbach werden nun weitere große Unterkünfte gebaut. Keine Notlager, sondern feste Unterkünfte für längere Zeit. Auch in Neuwerk, wie wir aus der Pressemeldung der Stadt vom Ende Dezember entnehmen können. Wir wissen noch nicht genau, wann und wie und was auf uns zukommt. Wir können vor Ort auch die Rahmenbedingungen der Politik nicht ändern. Aber vor Ort gilt: Es wird gut sein, nicht die Augen zu verschließen, sondern sich von Anfang an einzubringen. Integration muss schnell beginnen, bevor die Falschen kommen und Kapital aus Frust und Ausgrenzung schlagen. Für den christlichen Glauben ist es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, manchmal auch gegen die eigenen Ängste und Vorbehalte. Das Gebot der Nächstenliebe, ja sogar der Feindesliebe ist eines der nicht diskutierbaren Gebote Jesu.

Besonders danken möchte ich im Namen des Ökumenischen Arbeitskreises allen Freiwilligen, allen, die Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert haben, allen Spendern, alle Beteiligten vor Ort und auch den Bewohnern für eine erfahrungsreiche und auch gesegnete Zeit im Herbst 2015. Hoffen wir auf das Beste in 2016. Till Hüttenberger 


Von Harald Brouwers

Veröffentlicht am 29.01.2016

 
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